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Aller Anfang…

By colormoods, Jun 26 2018 12:39PM

Die theoretische Planung war eine Sache - dieses subjektive Thema für ein Publikum interessant und zugänglich machen, eine komplett andere. Ich musste feststellen, dass trotz meiner ausführlichen gedanklichen Ausmalungen die Theorie und die Praxis ziemlich weit auseinander lagen. Ich schwankte zwischen absoluter Überzeugung von meiner Idee und den ewig nagenden Zweifeln. Wer interessiert sich eigentlich für meine behütete Kindheit und was ich jetzt mit ihr veranstalten wollte? Ja, (oder: ‚oh nein!‘) was machte ich da eigentlich?! Ich driftete immer wieder ab und verlor den Fokus. Entstanden wirklich Arbeiten, die sich am Ende zu einem Ganzen fügen würden? Oder häufte ich ein Sammelsurium an, um mich selbst meiner 30 Jahre alten, mentalen Mitbringsel rückzuversichern? Waren das, was ich da verarbeitete, wirklich der Nachklang meiner Kindheit oder etwas, was mir jemand erzählt oder ich irgendwo aufgeschnappt hatte? Erinnerungen sind wichtig und wertvoll, aber sie sind auch flüchtig, täuschend und gehen im Laufe der Zeit manchmal eigene Wege. So verbrachte ich immer wieder, knietief in meiner Vergangenheitssuppe versunken, viel Zeit damit, die „Richtigkeit“ meiner Memoiretten zu reflektieren, wenn es in diesem Fall überhaupt ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt. Es hat eben jeder seine eigene Geschichte. Aber, wenn ich jetzt (subjektiv und ohne jegliche Distanz) auf meine Arbeit blicke, so kurz vor der Eröffnung meiner Ausstellung, dann hat es sich gelohnt, mir (3 Jahre) Zeit zu nehmen. Nach all der Reflektiererei sind die für mich wichtigsten und „richtigsten“ Bilder übrig geblieben. Dabei war ich manchmal kurz davor, aufzugeben, wenn mir einfach nichts gelingen wollte, und mir die Stunden, in denen ich letztlich für den Mülleimer arbeitete, so verschwendet vorkamen. Irgendwann habe ich dann begriffen, dass alle Zweifel und alles von-vorn-anfangen wichtiger Teil des Prozesses sind. Der neutrale, ehrliche und direkte Standpunkt meiner beiden Mentoren an der Hull College School of Art war zwar manchmal niederschmetternd und warf mich meistens um mindestens zwei Wochen zurück, erwies sich aber als sehr hilfreich und holte mich oft wieder zurück aus meiner Kreativitätswolke, in der zu viele Ideen durcheinander wirbelten… Mehr und mehr wuchs eine Struktur, ein Erinnerungsgeflecht, (fast) wie ich mir es ganz am Anfang vorgestellt hatte. Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem alles begann, Sinn zu machen. Von da an lief es fast wie von selbst bis ich mich (bis auf weiteres) ordentlich an meinem Thema abgearbeitet und fertigerinnert hatte. Meine Solo-Ausstellung wurde Wirklichkeit… ein spannendes Ereignis! A dream come true! Jetzt kann ich nur hoffen, dass ich auch objektiv mein Ziel erreicht, und dass ich Menschen neugierig gemacht habe, die nun mit mir auf Reisen gehen möchten in eine kleine Vergangenheit mit einem großen Ereignis. Die Mauer ist inzwischen länger verschwunden, als sie existierte, aber vergessen sollten wir sie nicht.


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